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Richtig in ein Turnier starten!

Viele Spieler sehen Poker meist das erste Mal im Fernsehen, wenn Turniere der WSOP, EPT oder WPT gezeigt werden. Ich selbst bin auch ein Fan davon, weil es unterhaltsam ist und man viele interessante Spielzüge beobachten kann. Die Zuschauer müssen sich aber im Klaren sein, dass sie nicht so spielen sollten, wie sie es im TV sehen.

Warum? Die Antwort ist recht simpel. Was Du dort siehst ist eine unrealistische und verkürzte Form des Turniers. Spieler starten bei Events, die im Fernsehen gezeigt werden oft sehr deep stacked (10.000 Chips oder mehr). Das TV zeigt aber häufig nur den Final Table, wenn die Blinds bereits sehr hoch sind und das Spiel deshalb sehr aggressiv ist. Im Gegensatz dazu startet man online bei den niedrigen Buy-In-Turnieren ($1 bis $20) meist mit Stacks von 1.500 Chips bei Blinds 10/20.

Ob Du den Final Table erreichst, hängt auch davon ab, wie Du ein Turnier zu Beginn spielst. Deshalb stellt sich die Frage, welche Strategie sollte ich am Anfang benutzen?

Ich empfehle Dir eine einfache Regel zu verwenden, besonders wenn Du noch kein erfahrener Turnierspieler bist. Versuche wenige Hände zu spielen und günstige Flops zu sehen. Besonders kleine und mittlere Paare geben Dir viel Potential Deine Chips in den ersten Blindlevels zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Es gibt viele Möglichkeiten, bei denen Du 5% Deines Stacks oder weniger investierst, um einen Flop anzuschauen und versuchen kannst Dein Set (Drilling) zu treffen. Die Chancen, dass Du es schaffst sind etwa 1:7. Die Implied Odds dagegen können durchaus 1:20 sein, weil ein Set meistens die beste Hand ist. Dadurch hast Du gute Chance Dich gegen schwächere Spieler, die ihr Top Pair überspielen zu verdoppeln.

Wenn Du mit einigen Callern rechnest, limpe mit den genannten Paaren vor dem Flop. Du kannst auch einfach ein Raise callen, wenn bereits einige Spieler im Pot sind. Sollten alle Spieler zu Dir folden und Du bist in später Position ist ein Raise angebracht, um die Blinds anzugreifen und im Idealfall ohne Gegenwehr zu stehlen. Du kannst auch kleine Paare in früher Position folden und konservativ spielen. Wie gesagt, Du solltest nicht mehr als 5% (vielleicht 6% oder 7% maximal) mit Deiner Hand vor einem Flop investieren. Wenn Du in früher Position bist, gibt es dafür keine Garantie, dass Du den Flop günstig sehen kannst.

Natürlich spielst Du auch Monster wie AA oder KK und andere Hände wie QQ, JJ, AK und AQ. Denke aber daran, dass Du wenig Action bekommen wirst, wenn die Stacks anfangs noch deep sind und kein anderer Spieler eine starke Hand hat.

Es gibt keine Faustregel dafür, wie schnell Du versuchen solltest Deinen Stack während der Anfangsphase eines Turniers zu vergrößern. Viel wichtiger ist, dass Du nicht ausscheidest, weil Du zu loose gespielt hast. Bei kleineren Onlineturnieren kommst Du entweder ins oder nahe ans Geld, wenn Du einfach tight spielst und Dich nicht an zu vielen Pots beteiligst. Halte ein paar Stunden durch und gewinne eine Handvoll Hände. Mehr braucht es oft nicht, um in den Payout zu kommen. Wenn Du zu viele spekulative Hände spielst oder bei unnötigen Coinflips Dein Turnierleben riskierst, stehen die Chancen gut, dass Du das Spiel bald als Zuschauer sehen kannst.

Selbst wenn Du es in den vierten oder fünften Level schaffst und knapp über dem Average liegst, hast Du gute Chance ins Geld zu kommen. Denke daran, nach der Bubble geht das Turnier erst richtig los. Lerne deshalb, wie man ein Turnier richtig startet und Du hast eine gute Chance auf den Sieg.

Sit & Go-Button

Pot-Limit Omaha Hi/Lo wird oft als ein Spiel angesehen, das nach dem Flop entschieden wird. Erfolgreiche Turnierspieler wissen allerdings, wie wichtig es ist regelmäßig vor dem Flop ihre Gegner zu 3-betten, besonders wenn die Blinds und Antes steigen.

Warum? Weil Du bessere Situationen nach dem Flop schaffst, wenn Du schwache Gegner bereits vor dem Flop unter Druck setzt. Und manchmal gewinnst Du den Pot auch sofort ohne viel Gegenwehr. Wenn man dies weiß, stellt sich die Frage, wie oft man die 3-bet benutzen sollte. Meine Antwort darauf ist: So oft wie möglich, ohne dabei Gefahr zu laufen, short stacked zu werden.

Sagen wir Du hast zwischen 40 und 50 Big Bets. Das ist der Zeitpunkt, zu dem Du versuchen solltest Chips zu sammeln. Das bedeutet auch mehr Hände zu spielen und 3-bets zu machen, um nur einen Gegner nach dem Flop zu haben. Die Größe Deines Stacks ist dabei sehr wichtig, weil Du Dir sicher sein musst, nicht zu viele Chips investiert zu haben. Für den Fall, dass Du den Flop verfehlst und die Hand aufgeben musst, sollte Dein verbleibender Stack Dir immer noch einen gewissen Spielraum geben. Wenn du 35 Big Bets oder weniger hast, empfehle ich Dir das 3-betten sein zu lassen, außer Du hast ein Monster wie AA2x.

Natürlich geht es beim 3-betten um mehr, als nur ein zusätzliches Raise vor dem Flop – Du solltest es Dir genau überlegen, wann Du den Pot wachsen lassen willst. Nehmen wir an, ein Spieler in mittlerer Position raised und Du sitzt in später Position mit einer Hand wie As-Qs-Jh-3d oder Ad-Kc-Jh-2c. Ich bin mit dieser Art von Händen kein Fan des Calls. Damit gebe ich den Blinds zu gute Quoten, sich auch den Flop anzuschauen. Außerdem schaffe ich eine Situation in der eventuell vier oder fünf Spieler den Flop sehen. Das sind mir zu viele Gegner.

Weil meine Hand aber eine gute Chance hat, den High Pot zu gewinnen, raise ich lieber, damit die Blinds eher folden und ich nur gegen den ursprünglichen Raiser spiele. (Lies Perry Friedman’s Tipp über Omaha Hi/Lo Strategien, um mehr darüber zu erfahren, wie wichtig es ist, um den High Pot zu spielen.) Nach meiner 3-bet vor dem Flop mache ich jedes Mal auch eine Continuation Bet auf dem Flop. Egal ob mir der Flop hilft oder nicht. Wenn mein Gegner mich dann raised, gehe ich vom Gas, weil er sehr wahrscheinlich den Flop getroffen hat und zum aktuellen Zeitpunkt die bessere Hand hat. Wenn er aber folded, gewinne ich einen schönen Pot.

Wegen meiner aggressiven Art PLO Hi/Lo zu spielen, werde ich oft gefragt, wie man gegen meinen Stil spielt und was man gegen das häufige 3-betten machen kann. Mein Tipp ist, dass man die zusätzliche Wette vor dem Flop callen sollte, vorausgesetzt man hat eine spielbare Hand, und das man darauf hoffen sollte, den Gegner nach dem Flop auszuspielen. Der Schlüssel zum Erfolg ist, sich vom Gedanken zu trennen möglichst günstige Flops zu sehen. Du wirst genug Blinds und Antes mit Deinen eigenen Raises klauen, dass Du es Dir auch leisten kannst mit Händen zu callen, die weniger aggressive Spieler folden würden.

Denke daran: Obwohl das Spiel nach dem Flop bei PLO Hi/Lo wohl der wichtigste Teil ist, kannst Du mit einem Raise vor dem Flop zur richtigen Zeit viele zusätzliche Chips gewinnen

Wie Du Deinen Gewinn absicherst!

Wenn Du glaubst, dass Poker kein sportlicher Wettkampf ist, hast Du es wohl noch nie lange in einem Turnier durchgehalten. Kurz vor Ende eines Turniers sind die Blinds riesig und nur eine Sache ist noch höher: der Druck um hundert Tausende von Dollar – oder sogar Millionen – zu spielen.

Ich habe früher Basketball gespielt und kann deshalb gut die Anspannung bei einem Final Table der WSOP mit den letzten Minuten eines Playoff-Spiels vergleichen. Jede Aktion kann über Sieg oder Niederlage entscheiden. Das alles wird noch verstärkt durch die Zuschauer, die Scheinwerfer, Fernsehkameras und Reporter, die herumrennen. Wenn Du Dich von all dem ablenken lässt, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Du Deinen Sieg verschenkst.

Profisportler die schon oft in diesen Situationen waren wissen worauf es ankommt. Wenn man in dieser Atmosphäre gewinnen will, zählt einzig und alleine die Konzentration auf das Ziel und die Fähigkeit den Rest auszublenden. Fernsehkameras? Vergiss’ sie! Zuschauer? Banne sie aus Deinem Sichtfeld. Konzentriere Dich auf den Moment und spiele – um den Rest können sich die anderen kümmern.

Poker hat aber im Vergleich zu anderen Sportarten noch einen anderen Schlüsselfaktor: Die Geldränge. So kann es durchaus sein, dass Du Tausende oder sogar hundert Tausende von Dollar mehr bekommst, wenn Du auch nur einen Platz weiter oben das Turnier beendest. Spieler, die noch nie bis zum Ende in einem Turnier waren, lassen sich zu diesem Zeitpunkt gerne von den Geldrängen ablenken und sind gedanklich nur dabei die Geldscheine zu zählen, die sie für den nächsthöheren Platz bekommen würden. In dieser Phase des Turniers konzentriert man sich oft nur auf ein Ziel. Für mich ist das Ziel, das Turnier zu gewinnen.

Meiner Erfahrung nach kann man Turniere in zwei Bereiche teilen: im Geld und aus dem Geld. Vor der Bubble ist mein Ziel ins Geld zu kommen. Ich will cashen und im Idealfall eine gute Ausgangslage auf den Turniersieg haben. Wenn die Bubble vorbei ist und alle verbleibenden Spieler im Geld sind, will ich gewinnen. Für mich und auch viele andere Pros beginnt dann ein Turnier erst richtig. Hier versuche in dann die strategisch intelligentesten Entscheidungen zu treffen, die mich meinem langfristigem Ziel – dem Sieg – näher bringen.

Eine Hand vom diesjährigen Event #1 der WSOP veranschaulicht meine Idee. Wir waren nur noch vier Spieler am Tisch und der Unterschied zwischen Platz 1 und Platz 4 waren über $500,000. Ich spielte dann eine Hand mit Andy Bloch und hielt ein Paar 7. Der Flop war Q-Q-3 und ich habe angespielt. Andy hat danach ein Reraise in Höhe des Pots gemacht. Ich habe ihn entweder auf zwei Overcards oder einen Flushdraw gesetzt. Während meine beiden 7 vielleicht im Vorteil gewesen sein könnten, hätte es mich meinen gesamten Stack gekostet das herauszufinden und eventuell nur einen Coinflip zu haben. Letztlich habe ich meine Hand gefoldet, um einen besseren Zeitpunkt zu finden.

Du wirst Dich vielleicht fragen warum. Nun, es gibt sogar mehrere Gründe. Erstens war mein Stack groß genug zu dem Zeitpunkt, dass ich ohne Probleme folden konnte, weil ich noch nicht genug investiert hatte. Folden hat mich zwar Chips gekostet, aber ich war danach immer noch Zweiter in Chips an unserem Tisch. Zweitens und viel wichtiger, mein Read gab ihm 13 outs (ungefähr 40% Chance) seine Hand zu treffen. Das war mir zu unsicher, wenn mein Überleben im Turnier davon abhängt.

Natürlich hätte ich ein Held sein und den Call machen können, damit das dann gut aussieht vor meinen Freunden, meiner Familie und den ESPN-Kameras. In diesem Moment habe ich aber all das ausgeblendet und mich auf den Turniergewinn konzentriert. Dadurch konnte ich einer knappen Situation entgehen, habe nur wenig Chips verloren und konnte mich auf die nächste Hand einstellen.

Meine Entscheidung, dass ich auf die wenigen Momente Ruhm verzichte, war am Ende richtig. Später besiegte ich Andy im Heads-Up. Ich würde immer wieder das Bracelet wählen, statt fünf Minuten ein Held zu sein.

Two Sides to Every Coin (flip)

Beim Poker hat man manchmal die Qual der Wahl. Manche Entscheidungen sind leicht zu treffen, andere dagegen lassen sich erst nach reifer Überlegung fällen. Alles in allem mag es oft mehr als nur einen richtigen Weg geben, eine Hand zu gewinnen. Es hängt immer davon ab, welchen Weg Du einschlagen willst.

Mit dieser Idee im Hinterkopf, haben wir Howard Lederer und Chris Ferguson vom Team Full Tilt nach ihrer Meinung gefragt. Das Thema: Der Coin Flip – eine der verzwicktesten Entscheidungen beim Poker. Sollten Spieler bereit sein all ihre Chip bei einem Münzwurf zu riskieren? Hier sind die unterschiedlichen Meinungen:

Chris:

Ich versuche die meiste Zeit Coin Flips zu vermeiden. Du solltest nie in eine negative EV-Situation kommen. Deshalb kannst Du leicht auch AK folden, wenn Du sicher bist, dass Dein Gegner ein hohes Paar, wie JJ oder QQ hält. Einige Spieler versuchen zu Beginn von großen Turnieren auf diese Weise früh ihre Chips zu verdoppeln, aber das ist die falsche Entscheidung (es sei denn, dass Du Deinen Flieger noch erwischen musst, oder wie Ivey lieber zum Golfen möchtest).

Natürlich gibt es ein paar Situationen, in denen ein Coin Flip die richtige Wahl ist. Zum Beispiel wenn Deine Gegner besser sind als Du. Spielst Du gegen deutlich talentiertere Profis und Du kannst davon ausgehen, nach dem Flop ausgespielt zu werden, so hast Du mit dem Coin Flip die Chance, diesen Nachteil wieder ausgleichen.

Die gleiche Spieltheorie lässt sich auch weiterspinnen: Hast Du einen Gegner am Tisch, der glaubt, er sei besser als Du – verwende bei ihm das gleiche Prinzip. Er wird versuchen Coin Flips zu vermeiden, deshalb solltest Du aggressiv gegen ihn spielen und viel Druck aufbauen. Wenn er wirklich denkt, dass er ein überlegener Spieler ist, wird er folden und sich bessere Situationen suchen und auf Hände warten, wo er Dich nach dem Flop ausspielen kann. Er mag glauben, dass er besser ist als Du, wenn Du aber viel Druck auf ihn ausübst, spielst letztlich Du ihn damit aus.

Howard:

Ich denke, dass die Leute Coin Flips zu oft aus dem Weg gehen, besonders wenn sie bereits Chips in den Pot investiert haben. Wenn 1.000 Chips im Pot liegen und Du Deine letzten 500 reinwerfen musst, um den Call zu machen, bekommst Du eine 2:1 Quote für Dein Geld. Trotzdem zucken Spieler in diesen Situationen oft zurück. Das ist einfach falsch. Du solltest die 2:1-Situation lieben, selbst wenn Du nur eine 48% Chance auf den Sieg hast.

Mit einer Hand wie AK kannst Du gegen AA oder KK laufen und dann noch Chips zu investieren ist natürlich schlecht. Aber wenn du 2:1 bekommst und Du wahrscheinlich einen Coin Flip hast, ist es meiner Meinung nach korrekt, die Münze zu werfen. Es ist eine riesige Katastrophe, wenn Du JJ hast und einen Coin Flip gegen AK vermeiden willst, aber Dein Gegner Dir später verrät, dass er 99 hatte.

Die ganze Diskussion basiert natürlich auf dem klassischen Wettrennen zwischen AK und QQ. Ja, Du wirst sicher auch ab und zu diese Situation haben. Aber was ist mit den Momenten, wenn du AK hast und Dein Gegner hält AQ? Wenn Du eine starke Hand hast und gleichzeitig keinen Coin Flip, dominierst Du meistens Deinen Gegner und diese Chance sollte man immer ausnutzen.

Doch es gibt auch Situationen, in denen man auf einen möglichen Coin Flip verzichten sollte. Vor allem, wenn Du deutlich mehr Chips hast als Dein Gegner. Je größer Dein Vorteil gegenüber Deinem Gegner ist, desto seltener solltest Du Dich auf einen Coin Flip einlassen. Vermeide diese Momente in dem Du nie zu viele Chips vor dem Flop investierst und warte darauf Deinen Gegner nach dem Flop auszuspielen.

Wie Du siehst, gibt es mehrere richtige Wege einen Coin Flip anzugehen und jede Medaille hat ihre zwei Seiten.

Vom Online- zum Live-Spieler werden

Nachdem sie ihr Pokertalent online geschliffen haben, entscheiden sich viele Spieler dafür, den nächsten Schritt zu gehen, und live Poker zu spielen. Für einige ist diese Umstellung leicht, andere haben mehr Probleme mit dem Unterschied zwischen PC und dem echten Tisch.

Für viele Onlinespieler ist es schwer sich auf die langsame Geschwindigkeit des Live Spiels einzustellen. Im Internet kannst du leicht 50, 60 oder noch mehr Hände pro Stunde sehen, mit multi-tabling ist die Grenze nach oben offen. Live dagegen musst Du schon froh sein, wenn mehr als 20 Hände pro Stunde gespielt werden. Das Spiel dort ist einfach deutlich langsamer. Manche Spieler stellen sich auf diese „Langeweile“ ein, indem sie Musik hören oder ihre Gedanken abschweifen lassen.

Ich persönlich habe etwas gegen Musik hören am Tisch, ich rede lieber mit den Spielern neben mir. Erstens, steht der soziale Aspekt beim Live Spiel mehr im Vordergrund – wenn Du einen guten Tisch hast – das ist online kaum möglich. Zweitens hilft Dir die Unterhaltung mit ihnen auch dabei zu analysieren, was für eine Art von Spieler sie sind. Schlägt der Typ neben Dir am $5/$10 Tisch nur seine Zeit tot, während er auf ein Spiel mit höheren Einsätzen wartet? Ist er in der Stadt um Urlaub zu machen und spielt ein bisschen Poker einfach zum Spaß? Ist er ein Stammgast im Casino?

Diese kleinen Mengen an Informationen helfen Dir Deine Gegner einzuschätzen. Sind sie ehrgeizig, gemütlich, aggressiv, etc.? Denke daran, dass mehr Informationen Dir helfen, richtige Entscheidungen zu treffen, wenn Du einen großen Pot spielst. Das bringt mich zu einem anderen wichtigen Unterschied zwischen Online und Live Spiel – sich auf seine Gegner zu konzentrieren.

Wenn Du online spielst, hast Du weniger Informationen als am echten Tisch. Natürlich kannst Du ausrechnen, wie oft ein Spieler vom Button raised oder re-raised und seine Statistiken speichern. Aber wenn Du in einer Hand bist, spielst Du wieder Deine Karten im Bezug auf den Spielstil Deines Gegners. Wenn Du mit ihm am Tisch im Casino sitzt, hast Du dagegen viel mehr Daten die Du mit in Deine Entscheidungen einfließen lassen kannst.

Wie wettet Dein Gegner oder wie sitzt er am Tisch? Sieht er zuversichtlich aus? Schaut er ängstlich? Ändert sich seine Haltung, wenn er in einer Hand beteiligt ist? Spricht er mehr oder weniger? Ist er auf Tilt? Betrunken? Loose? Dank all dieser Informationen bin ich der Meinung, dass es Live viel einfacher ist, einen Read auf seinen Gegner zu bekommen und ihn auf eine bestimmte Anzahl an Händen zu setzen – oder – sogar auf nur eine Hand, wenn man genau aufpasst, was am Tisch vor sich geht. Ich sehe bei vielen Onlinespielern den Fehler, dass sie im Live Spiel einfach weiterhin ihr reguläres Spiel durchziehen, wie sie es im Internet auch machen und die möglichen Massen an Zusatzinformationen gar nicht zu nutzen wissen.

Mein Rat an diese Spieler ist ganz einfach: Ruhig bleiben, lass Dir Zeit, konzentriere Dich und denke. Natürlich solltest Du nicht immer zwei Minuten brauchen, um eine Entscheidung zu treffen, aber ab und zu ist es auch korrekt sich mehr Zeit beim Überlegen zu nehmen. Wenn Du genau aufpasst, was am Tisch geschieht, sammelst Du viele Daten und die zu verarbeiten braucht manchmal Zeit. Wenn Du überlegst, wie die Hand gespielt wurde – und wie Dein Gegner die Hand gespielt hat – wird sich Dein Spiel verbessern.

Overcards in früher Position

Vor kurzem hat Andy Bloch darüber geschrieben, wie gefährlich hohe Karten (AK, AQ, etc.) sein können, wenn sie nicht zum Flop passen. Wie Andy, bin auch ich der Meinung, dass es zu den effektiven Waffen eines gutes Spielers gehört, zu wissen, wie man solche Hände spielt. Natürlich sollte man sich, wie bei allen Waffen, vorsichtig herantasten, damit sie nicht in der Hand explodieren.

Einer der wichtigsten Sicherheitstipps ist, dass Du vorsichtig sein musst, wenn Du eine solche Hand aus früher Position spielst. Ich glaube so fest daran, dass ich nicht einmal AQ offsuit Under the Gun an einem vollen Tisch spiele. Die Wahrscheinlichkeit damit in Probleme zu geraten und wertvolle Chips zu verlieren ist ganz einfach zu hoch.

Meiner Meinung nach sollte man mit Händen wie AK in früher Position sein Spiel variieren. Das ist das Schlauste, was man tun kann. Das bedeutet, Du raised manchmal mit diesen Händen und ein anderes Mal limpst Du nur. Dadurch machst Du Deinen Gegnern das Leben schwer, denn sie können nicht mehr so leicht Deine Hand einschätzen. Natürlich geht eine Regel damit einher: Wenn Du mit starken Händen limpst, musst Du das auch ab und zu mit Händen wie 76 suited machen.

Das bedeutet wiederum, dass Du auch mit schlechteren Händen raisen solltest und nicht nur mit AK oder besser. Kompletten Müll musst Du natürlich weiterhin folden, aber Du darfst auch mutig genug sein und mit weniger starken Händen den Pot angreifen. Vielleicht triffst Du ja im Flop zwei Paare. Reraist allerdings jemand vor dem Flop kannst Du Deine Hand folden und Chips sparen. Noch einmal: Es geht darum, Deine Gegner raten zu lassen, was Du auf der Hand hast und darum nicht zu durchsichtig zu spielen.

Manche Spieler behaupten, dass man mit starken Händen immer raisen muss. Ich aber denke, ein Limpen mit AK kann Dir potentiell mehr Chips bringen. Sagen wir, ich limpe Unter the Gun und drei andere Spieler limpen hinter mir. Der Button raised nun. Weil bereits viele Chips im Pot sind, kann der Button mit einer großen Anzahl an Händen raisen und muss nicht unbedingt etwas Starkes auf der Hand haben. Je nachdem, was ich für einen Read auf ihn habe, calle ich entweder nur sein Raise und versuche ihn nach dem Flop auszuspielen. Oder ich reraise selber und versuche den inzwischen großen Pot noch vor dem Flop zu gewinnen.

Hätte ich mit AK in dieser Situation gleich am Anfang geraist, hätte sich vielleicht keiner der Limper am Pot beteiligt und der Button callt unter Umständen nur mein Raise. Durch das Limpen gebe ich meinen Gegnern die Chance ihre Chips in den Pot zu werfen und ich habe sogar die Chance ein Reraise vor dem Flop anzubringen. Wenn der Button keine besondere Hand hat und nur versucht den Pot zu stehlen, überlässt er ihn mir mit großer Wahrscheinlichkeit. Wenn er trotzdem callt, kann ich meine Hand vorsichtig spielen, wenn ich nichts treffe oder einen Monsterpot gewinnen, wenn der Flop zu meiner Hand passt.

Selbstverständlich gibt es keinen „richtigen“ Weg, um AK aus früher Position zu spielen. Wichtiger ist hier Deine Gegner einzuschätzen, die mit Dir am Tisch sitzen und zu überlegen, wie aggressiv Du gegen sie spielen willst. Wenn Du Dein Spiel variierst kannst Du mit Deinen starken Händen, wenn es drauf ankommt, auch viele Chips gewinnen.

Kontrolliere Deine Umgebung

Jeder von uns wurde sicher schon einmal in echten Casinos von der Umgebung überwältigt, die wir nicht kontrollieren können. Von unbequemen Stühlen über, dank Klimaanlage, arktische Temperaturen bis zum Kerl neben uns, der das letzte Mal geduscht hat, als Österreich gegen Deutschland im Fußball gewonnen hat. Poker kann dann manchmal sehr unangenehm werden. Deshalb ist der riesige Vorteil, den man online hat, dass man seine Umgebung nach Belieben verändern kann. Wenn Du die Software nach Deinem Belieben konfiguriert und Deinen Computerplatz so einrichtest, wie es Dir gefällt, kannst Du Dich optimal auf das Onlinespiel konzentrieren. Das ist der nächste Schritt um ein erfolgreicher Spieler zu werden.

Wie kontrollierst Du nun aber Deine Umgebung? Fangen wir von vorne an. Wenn Du auch nur ansatzweise wie ich bist, kannst Du sehr pingelig sein, was Dein Umfeld angeht. Das bedeutet, Du schaltest Deine Telefone aus, Deine Chatprogramme genauso. Selbst wenn Du nur zum Spaß spielst, solltest Du Poker ernst nehmen (es sei denn, Du willst Deine Bankroll verblasen). Wenn wir gerade dabei sind – der Fernseher muss auch aus sein und Du solltest auch nicht im Internet surfen oder E-Mails beantworten. Es geht darum, die Möglichkeiten abgelenkt zu werden zu minimieren oder ganz auszuschalten und die Konzentration voll auf Poker zu richten.

Wenn Du jetzt nicht mehr abgelenkt wirst, geht es um andere Variablen in Deinem Haus. Ist die Temperatur angenehm? OK. Hast Du etwas zu Trinken in Deiner Reichweite? OK. Steht ein leckeres Essen im Kühlschrank? OK. Was ist mit Musik? Ich höre gerne Musik beim Pokern, solange sie nicht zu laut ist oder mich ablenkt (wenn du mitsingst, konzentrierst Du Dich nicht aufs Spiel).

Hast Du Dein Umfeld optimiert – dann geht es jetzt an das Spiel selber. Gehe in die Lobby und durch die Optionen. Stelle alles so ein, wie es Dir gefällt. Die Entscheidungen liegen jetzt natürlich bei Dir, ich persönlich habe gerne die Animationen ausgeschaltet (dann läuft das Spieler flüssiger) und „Wetteinsätze anzeigen“ ausgewählt. Für die unter euch, die nicht wissen was diese Option bringt: Der Wettbetrag ist immer hervorgehoben wenn ihr an der Reihe seid. Das bedeutet, ihr könnt einfach die Zahl eintippen, die ihr setzen wollt und müsst nicht mit dem Regler herumhantieren. Ich habe auch den Hintergrund auf „Plain“ braun eingestellt. Das mache ich übrigens auch, wenn ich den Final Table erreiche. Der Hintergrund dort kann schon sehr ablenken.

Noch einmal, Du machst das alles nur, weil es Dir hilft Dein Spiel zu verbessern, nicht weil Du ein Freak bist. Mit einem kontrollierten Umfeld gibst Du Dir die größten Chancen Dich optimal auf Dein Spiel zu konzentrieren und erfolgreicher zu werden. Das ist der größte Vorteil aller Onlinespieler.

Poker tricks: Das gefürchtete Min-Check-Raise

Es gibt eine ganze Menge an möglichen, abscheulichen Moves bei No-Limit Hold’em: Out of Position mit einer marginalen Hand spielen, einen Draw zu jagen ohne die korrekten Odds oder die Nuts zu passiv bzw. zu aggressiv zu spielen. All dies sind furchtbare Spielzüge. Aber meiner Meinung nach, ist der grausamste Move, den ein Spieler machen kann (und den ich viel zu oft sehe) das Min-Check-Raise.

Wann auch immer ich diesen Move gesehen habe, wurde er falsch angewendet. Tatsache ist, dass ich glaube, dass dieser Move gar nicht richtig eingesetzt werden kann . Wenn Du in einer Hand ein Min-Check-Raise machst, bedeutet das zwei Dinge: Entweder hast Du eine unglaublich starke Hand und Du willst Deinen Gegner nicht verscheuchen oder Du hast einen Draw und absolut keine Ahnung, wie Du ihn spielen sollst.

Mit der ersten Variante kann ich fast noch leben – Du hast die Nuts und versuchst Deine Gegner mit einem winzigen Raise zu melken, dass sie fast callen müssen. Andererseits, wenn man bedenkt, dass ein Gegner glaubt, er habe eine gute Hand, würde er dann nicht auch ein größeres Raise callen? Vielleicht denkst Du auch, dass Du die Hand Flow spielst, aber Du machst genau das Gegenteil. Während Du vielleicht ein paar Chips mehr in den Pot bekommst, verlierst Du meistens später in der Hand mehr Chips, wenn Du nicht kreativer spielst.

Die zweite Variante des Min-Check-Raises ist es aber, die mich wirklich fertig macht. Du hast einen Draw und hoffst, mit diesem Move irgendetwas zu bezwecken. Ich kann mir vorstellen, dass diese Spieler denken, sie machen einen Semi-Bluff, aber sie liegen völlig daneben. Ziel des Semi-Bluffs ist es den Pot hier und jetzt zu gewinnen und die Hand zu beenden (mit der Chance die beste Hand am Ende zu haben, für den Fall, dass Dein Gegner callt). Aber wenn Du nur ein Min-Check-Raise machst, ist Dein Gegner so sehr am Pot beteiligt, dass er mit allem callen wird, außer vielleicht 8 high.

Die exakte Situation kam letztens in einem Turnier vor, in dem ich mitgespielt habe. Ich war in mittlerer Position mit K6 in Pik, ein Limper war vor mir in der Hand. Ich habe eine Raise in Höhe des Pots gemacht, mit der Absicht den Pot zu stehlen. Im schlimmsten Fall, wenn mich jemand callen sollte, würde er wahrscheinlich Out of Position spielen müssen. Wie erwartet hat jeder gefoldet, nur natürlich der Limper nicht.

Der Flop war A-8-8 mit zwei Karo. Ich hätte nicht mehr daneben liegen können und hatte K high. Es gab keinen Grund anzunehmen, dass ich von uns beiden die bessere Hand hatte, also bin ich auf Nummer vorsichtig gegangen. Der Limper hat zu mir gecheckt und weil ich per Showdown diese Hand sicher nicht gewinnen würde, habe ich etwas mehr als die Hälfte des Pots gewettet. Ich wollte nur stehlen. Nun macht der Limper das gefürchtete Min-Check-Raise. Hmm? An dieser Stelle habe ich zwei Optionen: Meine Hand unbeschädigt zu folden oder callen, um zu sehen, was er am Turn macht. Er kann eine Monsterhand haben oder einfach nur auf einem Flushdraw sein – der Turn würde mir die Informationen dazu geben. Nachdem es meinem Stack nicht sonderlich weh tun würde, entschloss ich mich zu callen.

Am Turn kam nichts besonderes. Wenn er jetzt wettet, hat er eine starke Hand, weil es keinen Grund dafür gäbe zu bluffen, nachdem ich sein Raise am Flop gecallt habe. Er checkt. Die Möglichkeit bestand, dass er die Hand sehr trickreich spielt, aber das war unwahrscheinlich.

Leute, die ein Min-Check-Raise machen wollen entweder ihre Hand schützen oder ein paar zusätzliche Chips verdienen und würden normalerweise auch nach der nächsten Karte weiter wetten. Sein Check sagte mir also, dass er sehr wahrscheinlich auf einem Draw war, also entschied ich mich dafür, die Hälfte meines Stacks zu wetten. Das zeigte ihm, dass ich nicht folden würde und er könnte auch nur raisen, wenn er sehr zuversichtlich wäre, die beste Hand zu haben. Ich hatte vor dem Flop geraised, habe sein Raise auf dem Flop gecallt und am Turn selber wieder gewettet – ich zeigte ihm, dass ich eine sehr starke Hand habe. Sein Min-Check-Raise hatte sich gegen ihn entwickelt und ich konnte ihn zwingen seinen Draw zu folden.

Dieser Spieler hat eine Menge Chips verloren, weil er glaubte das Min-Check-Raise wäre eine tolle Idee. Lerne aus seinem Fehler und vermeide in die gleiche Falle zu laufen, zu der sich der gefürchtete Min-Check-Raise entpuppen kann.

Die Blinds stehlen

Die mittlere Phase eines Pokerturniers kann eine ganz schön lästige Angelegenheit sein, selbst für einen langjährigen Profi. Der Weg bis zum Geld ist noch ewig und es können einem noch eine Menge schwieriger Entscheidungen bevorstehen. Die Kombination macht auch deutlich, dass es keine Musterlösung für diese Phase des Turniers gibt. Ein extrem wichtiger Aspekt ist aber, Pots vor dem Flop zu gewinnen.

Wenn Du nur schlechte Karten in den ersten paar Levels bekommen hast, sitzt Du vielleicht immer noch ungefähr mit der Menge an Chips am Tisch, die Du zu Beginn hattest. Oder Du hattest Glück und konntest Dich früh verdoppeln oder verdreichfachen. Du kannst Minuten oder Stunden vom Geld entfernt sein, je nachdem wie viele Spieler dabei sind und wie hoch der durchschnittliche Chipstack (average stack) ist – der kann je nach Struktur 20, 30 oder sogar 40 Big Blinds sein.

Egal wie auch die Situation ist, was jetzt zählt, ist das Verhältnis zwischen den Blinds und Deinem Stack. Sobald die Blinds einen gewissen Anteil von Deinem Chipstack darstellen, solltest Du so viel wie möglich stehlen. Wenn Du regelmäßig die Blinds vor dem Flop angreifst, gleicht das auch Dein Spiel aus, d.h. Du kannst oft genug stehlen und Du bekommst mehr Chips, wenn Du starke Hände hast. Du verlierst sicher ein paar von Deinen spekulativen Händen, wenn ein Gegner ein Re-Raise macht oder callt, aber Du wirst einige gewinnen. Darüber hinaus werden Deine preflop Raises Deine Gegner überzeugen, dass sie Dich Re-Raisen sollten und das kommt Dir natürlich entgegen, wenn Du eine starke Hand hältst.

Denke auch daran, dass es wichtig ist, sich die richtigen Momente auszusuchen. Spiele weiterhin tight aus früher Position – halte Dich an hohe Paare und AK – beginne die Blinds mit einer größeren Auswahl an spielbaren Händen aber aus später Position anzugreifen. In dieser Phase des Turniers, musst Du jede Deiner Hände mit einem Raise starten und auf keinen Fall nur den Big Blind callen.

Vom Cutoff (rechts neben dem Button) oder Hijack (rechts neben dem Cutoff) eröffne ich zum Beispiel mit Händen wie T9s, jedem Axs, allen Paaren und allen Kombinationen aus zwei Bilder-Karten. Noch mehr Hände spiele ich vom Button. Wenn ich in später Position sitze und vor mir jemand bereits geraised hat, calle ich mit wirklich guten Händen oder reraise als Bluff, um den Pot vor dem Flop zu stehlen.

Wenn jemand ein preflop Raise macht, das mehr als 10% von meinem Stack entspricht und ich eine gute Hand habe, die ich spielen möchte, überlege ich mir, ob ich ein Re-Raise All-In mache. Jedes kleine Raise bindet mich zu sehr an die Hand, weil ich zu viel investiert habe und wenn ich nur calle, weiß ich nicht wo ich bin, bzw. was der Gegner hat. Wenn ich lediglich calle, wetten meine Gegner vermutlich auf dem Flop und ohne Top Pair oder ein Overpair, bin ich gezwungen entweder die beste Hand zu folden oder möglicherweise mit der schlechteren Hand All-In zu gehen.

Ein Beispiel: Jemand eröffnet aus mittlerer bis später Position für 300 und Du sitzt am Button mit TT und hast 2.000 Chips. In dieser Situation würde ich vermuten, dass der Raiser mit zwei Bilder-Karten eröffnet, jedem Paar oder suited Ass. Somit ist eine Hand wie ein Zehner Paar definitiv stark genug, um gegen ihn zu spielen.

Ich denke, die beste Strategie ist hier All-In zu gehen. Das übt Druck auf Deine Gegner aus. Wenn sie keine guten Hände haben werden sie wahrscheinlich folden. Dieser Move hilft Dir auch ein Problem zu umgehen, das Du hättest, wenn Du nur callst und eine oder mehrere Overcards zu Deinen Zehnern im Flop liegen und Du nicht weißt, wie gut Deine Hand dann noch ist. Wenn Dein Gegner dann anspielt, musst Du eher folden und wirfst dabei vielleicht auch die besseren Hände weg.

Ich empfehle in dieser Situation auch mit einem Paar Achter oder Neuner All-In zu gehen. Du bekommt dadurch mehr Action vor dem Flop und holst das meiste aus Deinen Coinflips heraus. Wenn jemand mit AQ vor dem Flop raised und Du callst nur mit 99, wird Dein Gegner, wenn er den Flop verfehlt, nur check-folden. Durch das All-In bekommst Du, wenn Dein Gegner called, mehr Chips in den Pot. Wenn Du dann die Hand gewinnst, hast Du eine bessere Ausgangslage für den Rest des Turniers.

Wenn man in diesen Situationen mit Händen wie AK, AQ, 99 oder TT All-In geht, bringst Du Deine Gegner dazu, marginale Hände zu folden oder zu callen, nur um einen Coinflip zu haben. Wenn Du diesen Move auch variierst und so z.B. mit Deinen Monsterhänden das Gleiche machst, callen Dich Deine Gegner häufiger, auch in Situationen in denen Du dann hoher Favorit bist.

Erinnere Dich daran, das erste Ziel in einem Turnier ist, ins Geld zu kommen. Wenn Du glaubst, dass Du die beste Hand hast und dann aggressiv die Blinds und Antes attackierst, baust Du Dir einen Chipstack auf, der Dir helfen wird auch schwierige Phasen in der Mitte eines Turniers zu überleben. Zusätzlich hilft Dein Stack Dir auch eine gute Chance auf den Turniersieg zu haben, wenn alle Spieler das Geld erreicht haben und die Bubble geplatzt ist.

Der tatsächliche Wert von Turnierchips

Wann immer man über Pokerstrategien spricht, findet man Leute, die keinen Unterschied zwischen Turnierchips und Chips bei einem Cashgame machen. Fakt ist, dass ich einige Weltklasse-Spieler kenne, die der Meinung sind, man sollte mit beiden Varianten genau gleich spielen. Aber selbst wenn ein paar Spieler extrem erfolgreich damit gefahren sind, bin ich völlig anderer Meinung.

Das Hauptproblem ist, dass in einem Turnier die Chips unterschiedliche Werte haben. In den meisten Fällen sind nämlich die Chips, die Du verlierst, deutlich mehr wert, als die Chips, die Du gewinnst. Während in einem Cashgame ein knapper Call Dich Geld kosten kann, so kann derselbe Call in einem Turnier Dein Ausscheiden bedeuten. Es gehört zu der Struktur eines Turniers, dass es sehr schwer ist sich von einem Verlust zurückzukämpfen, der hätte vermieden werden können. Dadurch ist der Call in einem Cashgame akzeptabel, während man bei einem Turnier wahrscheinlich folden sollte.

Denke einmal darüber nach, wenn es die erste Hand in einem Turnier wäre: Du würdest keine Münze werfen um Deinen gesamten Stack und riskieren auszuscheiden, nur weil die Chance ca. 50% ist Deine Chips zu verdoppeln. Warum? Weil ein doppelter Stack – besonders sehr früh im Turnier – nicht bedeutet, dass damit Deine Gewinnerwartung doppelt so hoch ist. Wenn Du von Dir glaubst, dass Du ein gewinnender Spieler bist, sollte Dein Ziel sein, das Turnier zu gewinnen und nicht nur die erste Hand. Wenn man es so betrachtet, rechtfertigt der geringe Vorteil durch den Gewinn der Hand, auf gar keinen Fall das Risiko, aus dem Turnier sofort auszuscheiden.

Das gleiche Konzept ist später im Turnier aber immer noch gültig. Sagen wir, ich habe 50k Chips in der mittleren Phase eines Turniers und ich befinde mich in einer möglichen Münzwurf-Situation für 20k. Offensichtlich, wenn ich gewinne habe ich 70k, wenn ich verliere 30k. Ich riskiere demnach 40% meines Stacks um 20% zu gewinnen. Dazu kommt, dass der Vorteil den ich habe, wenn ich statt 50k nun 70k haben sollte, überhaupt nicht so groß ist, wie der Verlust schmerzen würde wenn ich auf 30k herunterfalle. Wenn ich verlieren sollte, habe ich mir selbst einen schwerwiegenden Nachteil verschafft, von dem ich mich nur sehr schwer erholen kann. Es gibt eine Menge Spieler, die wahrscheinlich einfach den Münzwurf riskieren würden, aber es wird sicher kaum eine Situation geben, in der ich es machen würde. Das Risiko lohnt sich einfach nicht.

Das, was ich Dir gerade erklärt habe bedeutet allerdings nicht, dass Du jedes Mal folden solltest, wenn jemand All-In geht. Es wird eine Menge an Möglichkeiten geben einen richtigen All-In Call zu machen, bei dem Du den Vorteil auf Deiner Seite hast und es nicht nur ein Coinflip ist. Sagen wir du hast AK und bist Dir bereits ziemlich sicher, dass Dein Gegner ein Ass mit einem schwachen Kicker hat. In dieser Situation hast du vielleicht einen Bluff bewirkt und ein Call ist jetzt die richtige Entscheidung. Wenn wir aber über Situationen reden, die wahrscheinlich 50-50 sind, solltest Du nicht der Caller sein. Es ist natürlich richtig, dass man solchen Situationen nicht immer aus dem Weg gehen kann. Gleichzeitig bin ich ich der Meinung, dass man alles tun sollte, um diese Lage zu verhindern.

Ich denke, dass diese Beispiele gut verdeutlichen, wie riesig der Unterschied ist, ob man dieselbe Menge an Chips gewinnt oder verliert. Einige Spieler mögen vielleicht in bestimmten Situationen anderer Meinung sein, aber jeder gute Spieler den ich getroffen habe ist mit dem Grundprinzip einverstanden. Das Konzept bei knappen Entscheidungen – Chips, die man verliert haben mehr Wert als Chips die man gewinnt – gehört für mich zum Grundwissen eines Turnierspielers. Wenn Du diese Situationen vermeiden kannst, hilft Dir das entschieden weiter, ein Turnier zu gewinnen.

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