Beim Poker hat man manchmal die Qual der Wahl. Manche Entscheidungen sind leicht zu treffen, andere dagegen lassen sich erst nach reifer Überlegung fällen. Alles in allem mag es oft mehr als nur einen richtigen Weg geben, eine Hand zu gewinnen. Es hängt immer davon ab, welchen Weg Du einschlagen willst.
Mit dieser Idee im Hinterkopf, haben wir Howard Lederer und Chris Ferguson vom Team Full Tilt nach ihrer Meinung gefragt. Das Thema: Der Coin Flip – eine der verzwicktesten Entscheidungen beim Poker. Sollten Spieler bereit sein all ihre Chip bei einem Münzwurf zu riskieren? Hier sind die unterschiedlichen Meinungen:
Chris:
Ich versuche die meiste Zeit Coin Flips zu vermeiden. Du solltest nie in eine negative EV-Situation kommen. Deshalb kannst Du leicht auch AK folden, wenn Du sicher bist, dass Dein Gegner ein hohes Paar, wie JJ oder QQ hält. Einige Spieler versuchen zu Beginn von großen Turnieren auf diese Weise früh ihre Chips zu verdoppeln, aber das ist die falsche Entscheidung (es sei denn, dass Du Deinen Flieger noch erwischen musst, oder wie Ivey lieber zum Golfen möchtest).
Natürlich gibt es ein paar Situationen, in denen ein Coin Flip die richtige Wahl ist. Zum Beispiel wenn Deine Gegner besser sind als Du. Spielst Du gegen deutlich talentiertere Profis und Du kannst davon ausgehen, nach dem Flop ausgespielt zu werden, so hast Du mit dem Coin Flip die Chance, diesen Nachteil wieder ausgleichen.
Die gleiche Spieltheorie lässt sich auch weiterspinnen: Hast Du einen Gegner am Tisch, der glaubt, er sei besser als Du – verwende bei ihm das gleiche Prinzip. Er wird versuchen Coin Flips zu vermeiden, deshalb solltest Du aggressiv gegen ihn spielen und viel Druck aufbauen. Wenn er wirklich denkt, dass er ein überlegener Spieler ist, wird er folden und sich bessere Situationen suchen und auf Hände warten, wo er Dich nach dem Flop ausspielen kann. Er mag glauben, dass er besser ist als Du, wenn Du aber viel Druck auf ihn ausübst, spielst letztlich Du ihn damit aus.
Howard:
Ich denke, dass die Leute Coin Flips zu oft aus dem Weg gehen, besonders wenn sie bereits Chips in den Pot investiert haben. Wenn 1.000 Chips im Pot liegen und Du Deine letzten 500 reinwerfen musst, um den Call zu machen, bekommst Du eine 2:1 Quote für Dein Geld. Trotzdem zucken Spieler in diesen Situationen oft zurück. Das ist einfach falsch. Du solltest die 2:1-Situation lieben, selbst wenn Du nur eine 48% Chance auf den Sieg hast.
Mit einer Hand wie AK kannst Du gegen AA oder KK laufen und dann noch Chips zu investieren ist natürlich schlecht. Aber wenn du 2:1 bekommst und Du wahrscheinlich einen Coin Flip hast, ist es meiner Meinung nach korrekt, die Münze zu werfen. Es ist eine riesige Katastrophe, wenn Du JJ hast und einen Coin Flip gegen AK vermeiden willst, aber Dein Gegner Dir später verrät, dass er 99 hatte.
Die ganze Diskussion basiert natürlich auf dem klassischen Wettrennen zwischen AK und QQ. Ja, Du wirst sicher auch ab und zu diese Situation haben. Aber was ist mit den Momenten, wenn du AK hast und Dein Gegner hält AQ? Wenn Du eine starke Hand hast und gleichzeitig keinen Coin Flip, dominierst Du meistens Deinen Gegner und diese Chance sollte man immer ausnutzen.
Doch es gibt auch Situationen, in denen man auf einen möglichen Coin Flip verzichten sollte. Vor allem, wenn Du deutlich mehr Chips hast als Dein Gegner. Je größer Dein Vorteil gegenüber Deinem Gegner ist, desto seltener solltest Du Dich auf einen Coin Flip einlassen. Vermeide diese Momente in dem Du nie zu viele Chips vor dem Flop investierst und warte darauf Deinen Gegner nach dem Flop auszuspielen.
Wie Du siehst, gibt es mehrere richtige Wege einen Coin Flip anzugehen und jede Medaille hat ihre zwei Seiten.
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